Pflanzengarten mit Heimatmuseum Stadt Wehlen
Das Wunderbare hat starke Wurzeln
Unser wunderschöner Pflanzengarten mit dem kleinen Heimatmuseum ist idyllisch am Südhang über den Dächern der Stadt Wehlen gelegen und bietet allein durch seine topographische Lage atemberaubende Ausblicke auf das Städtchen und die umgebende Landschaft.
Auf dem ca. 5400m² großen Gelände des Gartens zeigen sich dem Besucher ca. 600 Pflanzenarten. Gewächse der heimischen Gebirgsflora entdeckt man ebenso wie Schätzchen aus entfernten Regionen der Bergwelten Asiens und Nordamerikas.
Das kleine Heimatmuseum zeigt auf 120m² und 2 Etagen viel Wissenswertes aus der Geschichte der Landschaft, der Burg und der Stadt mit ihren Einwohnern.
Pflanzengarten
Der Pflanzengarten wird durch natürliche Felsfomationen geprägt und ist in seiner hangigen Lage von angelegten Sandsteinterrassen durchzogen.
Steinmetz und Bergsteigerfreund Johannes Thumm legte einst den Grundstein für einen alpinen Steingarten. Über 100 Jahre Geschichte haben seither den Garten geprägt. Eine Erkundung auf schmalen Wegen und über ortstypische Sandsteintreppchen an oft noch originalen Steinterrassen lohnt sich und lässt immer Neues und Bewundernswertes entdecken.
Die kleinen zarten Blüten von Maiglöckchen, Hauswurz- und Steinbrecharten verzaubern ebenso wie die große Blütenpracht von Azaleen und Rhododendren im Frühjahr. Elegante Seerosen entzücken im Sommer auf dem kühlen Wasser der kleinen Teiche, ein Wasserfall plätschert in beruhigender Weise zeitweilig vom Fels. Das Laub des Fächerahorns und des Gingkos sowie der Bleiwurzteppich strahlen im Herbst in einer unglaublichen Intensität um die Wette.
Im Pflanzengarten kann man zu jeder Jahreszeit und bei jeder Wetterlage die Wunder und die Schönheit der Natur erleben. Dabei laden viele kleine Sitzmöglichkeiten zum Verweilen, Beobachten und Entspannen ein – sogar in luftiger Höhe auf dem Aussichtsfelsen mit Blick auf Burg, Stadt und die beeindruckende Landschaft der sächsischen Schweiz. Über eine hölzerne Stiege erreichbar bieten sich auch dort wunderbare Fotomotive.
Besuchergruppen können im Freilufthörsaal Platz nehmen und den Blick ins Tal schweifen lassen.
Museum
Im Heimatmuseum, welches ursprünglich als Bergsteigerhütte genutzt wurde, lässt sich viel Interessantes über die Entstehung der Landschaft, die Nutzung der Region und die Historie der Stadt erfahren. Tief mit der Stadt verwurzelte Berufe wie Steinbrecher, Schiffer, Fischer und Zeidler werden vorgestellt.
Modelle und historische Exponate aus der Stadt- und Burggeschichte versetzen den Betrachter in vergangene Zeiten zurück. Das raumhohe Modell eines originalgetreu nachgebauten, regionalen Steinbruchs ermöglicht einen Einblick in die schwere Arbeit und die Arbeitsabläufe dieser Zunft. Einst war der gläserne Bienenstock von Museumsleiter Mädler weithin berühmt. Heute gibt eine Blätterbeute mit Fotografien Einblick in das Innenleben eines Bienenstocks. Daneben sind weitere eindrückliche Ausstellungsstücke und viele Informationen zu Honigbienen und Imkerei in einem der oberen Ausstellungsräume zu besichtigen.
Seit 2024 gibt es dank ehrenamtlichen Engagements im Außenbereich eine große Klotzbeute mit Sichtfenster. Hier kann ein Bienenvolk ein Zuhause finden. Als historischer Bienenhaltungsstandort ist der Pflanzengarten an einen Bienenlehrpfad angeschlossen. Der Raum am unteren Eingang ist jährlich wechselnden Sonderausstellungen vorbehalten.
Im Jubiläumsjahr 2025 wurde hier die Geschichte von Pflanzengarten und Heimatmuseum gezeigt. In der Saison 2026 kann der Besucher in die Welt alter Wehlener Postkarten eintauchen und somit die Geschichte der Stadt als Erholungsort kennenlernen.
Gartenplan und Erreichbarkeit
Die Hauptbereiche des Gartens und die untere Etage des Heimatmuseums sind stufenlos über einen Rampenzugang am nördlichen Zugang des Gartens erreichbar. Zwei Parkplätze in der Nähe des Haupteingangs stehen während der Öffnungszeiten für Besucher zur Verfügung.
Bus: aus Richtung Pirna Linie 238, Haltestelle Heimatmuseum
S-Bahn: Hst. Bahnhof Stadt Wehlen, Fähre nach Stadt Wehlen, danach Fußweg ab Markt
Fußweg ab Markt: vom Brunnen am Rathaus nach links zur Hauptstraße, rechts auf Lohmener Straße durch den Torbogen, danach leicht links steil den gepflasterten Schreiberberg nach oben, Lohmener Straße queren
Geschichtliches
1923 pachtete der Sächsische Bergsteigerbund (S.B.B) ein felsiges Stück Land mit Bauwerk von Erich Biehler, hergerichtet und aufgefrischt wurde die Hütte 1924 eingeweiht und den Mitgliedern des Bundes als Übernachtungs- und Feriendomizil übergeben. Bergsteiger und Steinmetz Johannes Thumm fing an, um die Hütte einen Pflanzengarten anzulegen. Wichtig wurde ihm in den folgenden Jahren, die Wissensvermittlung von Pflanzenkenntnissen an seine Bergsteigerkollegen, um den in den 20er Jahren erstarkenden Gedanken des Naturschutzes gerecht zu werden. Denn nur was man kennt, kann man schützen. Die Hütte war beliebt bei den Kletterern und musste 1928 schon erweitert werden, um den Bedarf an Übernachtungsmöglichkeiten an Wochenenden gerecht zu werden.
Die Bergsteigerkollegen brachten Thumm von ihren Reisen nach und nach Pflanzen aus anderen Bergregionen der Welt mit. So entstand bis Ende der 30er Jahre eine gewaltige Pflanzensammlung alpiner Gebirgspflanzen, welche in den selbst angelegten und gestalteten Sandsteinterrassen des Gartens wachsen durften.
Durch das Kletterverbot im „Naturschutzgebiet Bastei“ verlor die Hütte aber immer mehr an Bedeutung und wurde letztlich 1939 vom SBB aufgegeben und der Pflanzengarten und das Gebäude an die Stadt Wehlen geschenkt, das Grundstück war weiterhin in Privatbesitz. Bis 1940 zog das Heimatmuseum und die Bibliothek in die ehemalige Hütte um, am Pflanzengarten gab es ebenfalls Veränderungen.
Im Juli 1940 wurde die Anlage der Öffentlichkeit übergeben und somit für alle zugängig. Über die Kriegsjahre war der Erhalt schwer. Sowohl personell als auch finanziell standen wenig bis keine Mittel zur Verfügung. Trotzdem kämpfte die Stadt für den Fortbestand und die Einschätzung als kriegswichtig und als wichtiges Kulturgut mit dem Hinweis auf die „Volkswirtschaftliche Bedeutung der Förderung des Tourismus in Wehlen“.
Nach Kriegsbeendigung kümmerte sich Dr. Walter Friese mit Frau um Museum und Garten. Kurz nach Gründung der beiden deutschen Staaten drohte auf Grund der Grundstückseigentumsverhältnisse das Aus der Anlage. Letztlich konnte dank vehementer Bemühungen 1951 mit Mitteln der Regierung der DDR das Grundstück gekauft werden, Architekt und Grafiker Erich Mädler wurde Museumsleiter und in Zusammenarbeit mit TU und botanischem Garten Dresden entstand eine Bildungsstätte für die Öffentlichkeit.
Pflanzengarten und Museum wurden zum ersten Landeskulturkabinett. Die gärtnerischen Aufgaben erfüllte Erich Tittel in dieser Zeit mit viel Liebe und Können und kümmerte sich mit einigen Mitarbeiterinnen noch bis Ende der 70er Jahre um die Gesamtanlage mit Museum.
Quelle: „Eine Offenbarung, der ich so verfiel – Pflanzengarten, Heimatmuseum und Bergsteigerhütte in Stadt Wehlen“ Festschrift zum Jubiläum, 2025, Hrsg.
Heimat und Tourismusverein Dorf und Stadt Wehlen e.V.
100-jähriges Jubiläum des Pflanzengartens
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Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Pflanzengarten entstand in Zusammenarbeit des Heimatvereins Dorf und Stadt Wehlen e.V., der Stadt Wehlen und dem Sächsischen Bergsteigerbund ein wunderbares Büchlein, welches die bewegte Geschichte der einstigen Bergsteigerhütte, des Pflanzengarten und des Heimatmuseums von 1925-2025 zusammenträgt und verbindet, sowie Porträts der wichtigsten Personen der Zeit zeichnet.
Erhältlich für 7,50€ in der Tourist Information der Stadt Wehlen oder im Pflanzengarten.
Die Festveranstaltung zum 100-jährigen Jubiläum fand am 17.05.2025 statt. Höhepunkt war hier die Übergabe eines Buches mit den Originalaufzeichnungen des Gartengründers Johannes Thumm. Dieses wunderbare Dokument gab Familie Walther/Dresden aus ihrem Besitz an die Stadt Wehlen. Ein unglaublich berührender Moment mit Symbolkraft für die Zukunft.
Motiviert durch die Aktivitäten und den Enthusiasmus zum Jubiläum sind wir bestrebt, unser historisches Kleinod wieder bekannter zu machen. So liegt doch immer noch und heute mehr denn je das Hauptaugenmerk im Pflanzengarten mit dem Museum auf der Vermittlung eines Zugangs zur Natur und zur Heimat. Er kann sensibilisieren für die Natur, möchte natürliche Schönheit zeigen, ermöglicht Zusammenhänge, Abhängigkeiten und Kreisläufe zu verstehen – oder ist einfach nur ein wunderbarer Ort zum Wohlfühlen und Staunen.
Nie in der Geschichte des Pflanzengartens war der Naturschutz so dringend und präsent wie in der Gegenwart, nie das Motto Erich Mädlers und der damalige Eingangsspruch bedeutsamer: Heimatkenntnis schafft Heimatliebe





















